Sehnsucht nach Entspannung

Sehnsucht nach Entspannung

Sehnsucht nach Entspannung ist ständiger Begleiter und sehr oft auch ein innerer Antreiber. Wir haben viele Aufgaben, viel zu tun. Wir halten durch, weil wir uns danach Entspannung gönnen wollen. Eine schwierige Situation, ein Konflikt ist absehbar: „Mensch, entspann dich!“ Eine Entscheidung ist zu treffen. Wir lenken alle Aufmerksamkeit darauf, spannen an. Das englische Wort für Aufmerksamkeit ist Attention. Im Wortteil „Tension“ steckt die Spannung schon mit drinnen. Danach sehnen wir uns nach Entspannung. Woher kommt aber diese Sehnsucht nach Entspannung? Haben wir das noch im Blick?

Entspannungsindustrie

Welche Bedeutung diese Sehnsucht nach Entspannung spielt, können wir an den vielfältigen Entspannungsangeboten festmachen. Dieser großen Sehnsucht nach Entspannung steht ein weitgefächertes Angebot gegenüber. Das Entspannungswochenende, der Wellness-Urlaub, Entspannungstees, Badezusätze, Entspannungsmassagen, Sauna und jeder Menge Relax-Kursangebote vom Autogenen Training, über Progressive Muskelentspannung, jeder Form von Yoga, Qi Gong, Waldbaden, Achtsamkeit und Meditation. Alles, um die Sehnsucht nach Entspannung zu befriedigen. Es hat sich eine ganze Industrie rund um Entspannung entwickelt. Löst das denn unsere Probleme? Und wenn ja: Welche?

Entspannung als Livestyle

Viele dieser Angebote sind verknüpft mit einem Lifestyle-Gedanken. Der aktive, geforderte, leistungsbringende, erfolgreiche Mensch zeigt sich in der Entspannungswelt. Ok. Dieses Lifestyle-Verhalten ist weit verbreitet, aber nur eine Facette. Nicht minder viele Menschen finden zu diesen Angeboten aus Leid heraus. Angefangen von gesundheitlichen Zipperlein, über ernste körperliche und psychische Beschwerden, bis hin zum Burnout und großer Verzweiflung. So oder so: Entspannungsangebote haben Hochkonjunktur.

Woher kommt diese Sehnsucht nach Entspannung?

Worauf ist es eine Reaktion? Dieses Streben, Lechzen, Sehnen nach Entspannung ist ein Blick in die Zukunft. Ein angestrebter Zustand von Ausklinken aus dem Alltag, Aussteigen, Loslassen, Ruhe, Ausruhen, Pause, keine Aufgaben.

In diesem Streben danach finden wir uns vielleicht mit einem eingeschränkten Blick, mit Scheuklappen wieder. Ist das eine hilfreiche Blickrichtung? Hin auf eine Art Belohnung? Machen wir mal ganz bewusst ein Experiment: Was sehen wir, wenn wir diesen sehnsüchtigen auf Entspannung gerichteten Blick umdrehen? Wenn wir uns umdrehen und in die Gegenrichtung dieser Entspannungssehnsucht schauen?

Was ist dann dort? Was ist die Quelle für diese Entspannungssehnsucht? – Das ist Spannung, Anspannung, Belastung, Stress, berufliche und private Anforderungen, Hamsterrad, Überforderung, … .

In dieser Blickrichtung finden wir uns wieder in der aktuellen Situation von alle Kraft aufbringen, volle Anspannung. Das ist allerdings unangenehm, dies genauer anzuschauen und viel angenehmer ist der Blick in die Richtung von ohne Spannung sein wollen, entspannen, loslassen, sich treiben lassen, schlaff sein dürfen.

Taugt Entspannungs-Sehnsucht als Strategie?

Ist es eine gute Strategie die Ent-Spannung so in den Fokus zu nehmen, anzustreben, sehnsüchtig (süchtig) danach zu streben?

Oder macht es mehr Sinn, sich der Quelle der Spannung zuzuwenden? Woher kommt diese? Wie entsteht Spannung, Stress in meinem Leben?

Ist es eine kluge Strategie, Anspannung und Belastung immer hochlaufen zu lassen, immer auf einem hohen Niveau zu haben und dann auf eine Oase der Entspannung, der Ruhe, des Loslassens zuzulaufen? Um dort ganz ohne Spannung zu sein?

Nichts tun – ohne Spannung

Was passiert in der Entspannung? Wenn nichts zu tun ist. Wenn die Spannung aus dem Körper draußen ist (durch Ruhe, durch Aktivität wie Sport, Wandern, durch Massage, Sauna, gemeinsam mit Freunden Kochen, …)? Wenn Ruhe im Kopf / im Geist einkehrt? Wenn ich vollkommen in der Entspannung angekommen bin, was passiert dann?

Vermutlich entsteht dann ein Wohlfühlen, Gelassenheit, Freude, gute Gedanken …. Stellen wir uns das vor, dann sind damit vielleicht Bilder des Dösens in einer Hängematte, Aushängen, ein Cocktail auf der Liege am Pool, Schwitzen in der Sauna nach dem Sport, sich hängen lassen und schlaff sein verbunden.

Häufig entsteht in Phasen von Entspannung aber auch innere Unruhe, Langweile, Konfrontation mit inneren Themen / ungelebten Wünschen, … .

Ein Leben ohne Spannung

Wie wäre ein Leben ganz ohne Spannung, Anspannung, Antrieb, Anforderung? Also den ganzen Tag, 7 Tage die Woche in dieser entspannten Schlaffheit verbringen? Der erste Gedanke daran ist vielleicht: „Oh, wie wundervoll.“ Bei den allermeisten kommen dann aber bereits im zweiten oder dritten Gedanken Zweifel auf. Das wäre doch ein langweiliges, dumpfes Leben. Ohne Herausforderungen auch keine neuen Erfahrungen, keine Entwicklung. Unsere natürliche Neugier würde nicht befriedigt und wir würden dieser Art von Leben auch schnell überdrüssig.

Leben in der angemessenen Spannung

Leben wir unser Leben wie ein Gummiband, das wir über lange Zeit sehr anspannen? Bis kurz vor dem Zerreißen – bei manchen reißt es auch – , um dann kurz loszulassen bis in die völlige Erschlaffung?

Macht es nicht mehr Sinn in einer „angemessenen“ Spannung zu sein, als in den Extremen zwischen Zerreißprobe und Schlaffheit?

Ein Musikinstrument (vielleicht eine Geige oder Gitarre) klingt dann gut und schön, wenn die Saiten die richtig Spannung haben. „Zu schlaff gespannte Saiten klingen nicht, zu stark gespannte Saiten reißen“.

Wie kommen wir dahin?

Indem wir den Blick auf die Entspannungssehnsucht lösen und uns immer wieder bewusst werden, mit welcher Spannung wir gerade unterwegs sind. Oder in dem Bild mit der Geige: Wie wir gerade klingen. Dieses Bewusstsein oder Bewusstwerden setzt eine gute Selbstwahrnehmung voraus. Ein Hören der „eigenen Musik“. Ein Ablesen der inneren Instrumente, um es in einem technischen Bild zu beschreiben.

Einen guten Klang – eine angemessene Spannung – erreichen wir mit der Fähigkeit der Selbststeuerung oder Selbstregulierung. Diese Fähigkeit fällt allerdings nicht vom Himmel herab. Basis dafür ist eine gute Selbstwahrnehmung. Wir können nur das ändern, was wir auch wahrnehmen. Und wir nehmen nur das wahr, wo unsere Aufmerksamkeit liegt.

Aufmerksamkeit, Selbstwahrnehmung und Selbststeuerung

Aufmerksamkeit, Selbstwahrnehmung und Selbststeuerung gehören also zusammen, bedingen sich. Startpunkt ist die Aufmerksamkeit, die wir einfangen müssen und auf uns, auf die jetzige Situation, auf das eigene Leben, den Körper und die inneren „Instrumente“ oder den „Klang“ ausrichten.

Wahrnehmen, wie es mir jetzt gerade geht. Wie ich aufgestellt und unterwegs bin? Mit einer angemessenen Spannung für die Situation? Wenn die Spannung nicht angemessen ist – vielleicht unangemessen zu groß – , dann diese gleich verändern. Sich nicht mit einer Sehnsucht nach der Entspannungsoase in eine Zukunftswelt flüchten. Gleich handeln und vom Gas gehen. In eine angemessene Spannung. Bevor eine Regulation nicht mehr möglich ist, weil das Gummiband spröde geworden ist und reißt.

 

Also sich nicht den Blick selbst verstellen mit der Sehnsucht nach Entspannung. Besser sich gewahr sein, wie die eigene Spannung gerade ist und ob diese angemessen ist und zur Situation passt. Die Entspannungssehnsucht gleich in Selbstregulierung umwandeln, bis die Spannung einen guten Klang erzeugt.

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